Ab zum Buschenschank – einfach mal nur essen, aber mehr als nur Essen

Tag 9 – Mittwoch, 30. Mai 2018

 

Route:

Fiesole bei Florenz – Castiglion Fibocchi bei Arezzo – Siena

 

Region:

Toscana

 

Wetter:

Bewölkt, zwischendurch ein paar Regentropfen, 25°C

 

Essen, Trinken:

Nachdem wir in der Früh bemerken, dass wir am Vortag in Florenz zwar Butter und Frühstückssaft gekauft, aber kein Brot mitgenommen haben, gibt es zur Abwechslung Müsli. Für die Mittagspause kommen wir pünktlich um 12:15 Uhr in die Fattoria La Vialla. Dort gönnen wir uns das Menü 1 (auf unsere Anfrage unproblematisch vegetarisch), das an eine anständige Brettjause erinnert. Wir bekommen Brot, 12 Monate gereiften Pecorino, jungen Pecorino, Ricotta, dazu dreierlei Brotaufstriche / Saucen (Tomatensalsa, Paprikasalsa und Erdbeersalsa) und Salat. Zum Abschluss gibt es noch einen Kaffee (natürlich ein Espresso – wir sind ja in Italien!), zu dem wir ungewöhnlicher Weise neben (heißer!) Milch und Zucker auch Honig serviert bekommen. Nachdem wir keinen süßen Kaffee trinken wird die heiße Milch kurzerhand mit dem Honig gesüßt und weggetrunken.

 

Menschen, Tiere, Pflanzen:

Bei der Fattoria La Vialla setzt sich ein bayrisches Rentnerpaar an unseren Tisch. Sie bestellen ebenfalls Menü 1, übersehen dabei aber den inkludierten Salat und bestellen deshalb einen zusätzlichen Salat. Das ist ein Problem, weil der Mann (Hans!) keinen Salat mag und die Portionen doch recht groß sind, was die beiden immer wieder ausgiebig besprechen. Das verstärkt sich vor allem bei ihr im Laufe der Zeit, da die Flasche Schaumwein (den er auch nicht besonders mag) ihre Zunge immer lockerer macht und so aus dem konventionellen Paar (oder doch prüde oder zurückhaltend?) ein redseliges und offenes Gespann wird.

Bei der Fattoria leben Pfauen. Die sind für uns nicht unbedingt erwähnenswert – schließlich kennt man sie als Grazer vom Schloss Eggenberg. Als wir gehen entdecken wir allerdings eine Pfauendame, die mit ihren Küken in einem abgeschlossenen Gehege beschützt lebt. Die Küken laufen ihr fiepend hinterher und entzücken dabei uns mit ihren langen Beinen und ihrem flauschigen Federkleid.

Vialla_Pfauenbabies
Pfauenküken bei La Vialla

 

Was uns tagsüber so beschäftigt:

Der Tag ist hauptsächlich durch gemütliches Autofahren geprägt. Wir fahren (dank der richtigen Einstellungen beim Navi) durchs Hinterland der Toskana. Neben uns breiten sich sanfte Hügel aus, auf denen Olivenbäume, Weingärten und Getreidefelder sich mit einfachen Blumenwiesen und kleinen Waldstücken abwechseln. Die Getreidefelder und Blumenwiesen wabern sanft im Wind dahin und machen somit die Szenerie endgültig ziemlich kitschig.

Wir bestaunen zudem die großen Gemüsegärten, die offenbar jedermann im Garten oder auf einem Stück Land etwas außerhalb der Ortschaften hegt und pflegt. Die Gärten muten natürlich an, ordentlich aber nicht steril. Das passt zu unserem Eindruck der italienischen Garten- und Balkonpflanzen-Philosophie. Überall sieht man Pflanzen (viele Nutzpflanzen gemischt mit Blüh- und Grünpflanzen) in großen und kleinen Tontöpfen auf Balkonen, Fensterbänken und in den Gärten herumstehen. Die Wiesen dürfen Kniehoch wachsen und sind durchsetzt von Wildblumen (Klee, Mohn, etc) und Getreidehalmen. Die Italiener lieben ihr Grün, lassen es aber leben und sind nicht so streng oder fast schon militärisch penibel wie beispielsweise Gärtner in Deutschland.

Zum Mittagessen machen wir auf Wunsch von Freunden (S&P) eine Qualitäts- und Realitätskontrolle bei der Fattoria La Vialla. Bei unserem Besuch in der Heimat haben S&P uns von einem Bio-Bauernhof erzählt, der als Selbstvermarkter seine Produkte übers Internet vertreibt. Der Katalog und die Infoproschüren zeichneten ein malerisches, idyllisches Bild von einem Bauernhof im Toskanastil mit herzlich lachenden Menschen. Als Fazit unseres Vorort Checks können wir festhalten, dass die Realität durchaus dem entspricht, was die Werbung verspricht, mit einem kleinen Schönheitsfehler:

Die Fattoria La Vialla ist Opfer ihres Erfolges. Zwar sind die Gebäude sehr einladend und das Essen köstlich, samt sehr freundlicher Bedienung, allerdings ist alles sehr stark auf den Hauptvertriebsmarkt ausgelegt – Deutschland. So fühlt man sich schnell in einer österreichischen Buschenschank wieder anstatt einer toskanischen Fattoria, weil nicht nur die Gäste, sondern aus das Personal Deutsch spricht. Dadurch geht das italienische Flair etwas verloren. Nichts desto trotz kann man einen Besuch in der Fattoria La Vialla durchaus empfehlen. Neben dem Buschenschankbetrieb kann man sich auch einen Tisch reservieren, der etwas abgelegener mit traumhaften Blick auf die Hügellandschaft der Toskana vom Trubel ablenkt (mit eigenem Menü). Auch ein Museum, Werksführungen und einen Hofladen gibt es, sodass keine Wünsche offenbleiben. Die Parkmöglichkeiten sind sehr gut, sodass man mit dem Camper auch ohne weiteres über Nacht stehenbleiben könnte, wenn man vielleicht eine Flasche Wein zu viel genossen hat. Außerdem dürfte es auch Gästehäuser geben. Die haben wir aber nicht gesehen.

Gut gestärkt ziehen wir weiter durch die Toskana Richtung Siena zum Campingplatz „Colleverde“ nördlich von Siena, den wir auch schnell und problemlos finden. Nach dem Errichten des Nachtlagers (Handbremse anziehen, fertig) machen wir noch einen Abendspaziergang über den Campingplatz. Dabei entdecken wir Eos heimliche Leidenschaft – Wuzeln. Es gibt am Pool nämlich auch einen Wuzeltisch (auch Tischfußball, Drehfußball oder Kicker genannt). Sa besiegt Mens und Eo zwar klar mit 2:0 aber das tut der guten Laune von Eo keinen Abbruch. Er lacht sein erstes lautes und herzliches Lachen und strahlt uns an.

 

Spruch des Tages:

„Der hat anständige Hydraulik-Stempel! Wie der Börns!“ stellt Mens fest als wir beim Rundgang am Campingplatz ein Wohnmobil entdecken, das mit den Vorderreifen gut 30 Zentimeter in der Luft steht.

 

Übernachtung:

Camping Colleverde in Siena; obwohl der Campingplatz im Stadtgebiet liegt ist die Nacht ruhig und wir schlafen gut. Der Platz ist sauber und teilweise mit neuen Sanitäranlagen ausgestattet. Es gibt naturnahe Stellplätze aber auch gepflasterte Flächen, also ist für jeden etwas dabei. Damit ist der Platz gut für die Durchreise oder längere Aufenthalte. Colleverde ist übrigens eine Kette, die mehrere Campingplätze in Italien betreibt. Wir bekommen eine Art Ermäßigungsbroschüre, mit der wir bei Vorlage bei den anderen Campingplätzen Rabatte bekommen. Das werden wir vielleicht noch ausprobieren…

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